Das Gladbecker Geiseldrama 1988

Das Gladbecker Geiseldrama war im August 1988 für mehrere Tage das beherrschende Thema in der deutschen Öffentlichkeit. Der Banküberfall auf eine Filiale der Deutschen Bank in Gladbeck entwickelte sich zu einem grenzüberschreitenden Rennen zwischen den Gangstern und der Polizei, das zwei Tage später mit mehreren Toten endete. Durch die sensationsgierigen Medien haben die Deutschen das gesamte Gladbecker Geiseldrama direkt im Radio und im Fernsehen verfolgen können.

Die beiden Kriminellen Dieter Degowski und Hans-Jürgen Rösner haben am Morgen des 16. August 1988 eine Deutsche Bank-Filiale in Gladbeck überfallen. Ein Bürger, der den Überfall beobachtet hatte, rief die Polizei zum Tatort. Die beiden Täter flüchteten, bemerkten aber die Polizeipräsenz und nahmen zwei Angestellte der Bank als Geiseln. Nach Verhandlungen mit der Polizei erhielten die beiden Täter am Abend 300.000 D-Mark und ein Fluchtauto, das sie, zusammen mit 2 Geiseln, zur Flucht nutzten. Das Auto war mit einem Peilsender präpariert, so dass die Polizei die Verfolgung aufnehmen konnte. In das Fahrzeug stieg kurze Zeit später noch die Freundin von Rösner.

Die weitere Fahrt führte nach Bremen. Hier ließ die Polizei eine Chance auf eine Geiselbefreiung verstreichen, bevor Degowski und Rösner einen Linienbus mit 32 Fahrgästen entführten. Während der gesamten Zeit führten die Medien Telefon- und Fernsehinterviews mit den Geiselnehmern, aber auch mit den Geiseln - teilweise mit gezogenen Pistolen. An einer Raststätte wurde Rösners Freundin unkontrolliert festgenommen. Die Lage eskalierte. Die Geiselnehmer forderten die Freilassung von Rösners Freundin. Im Verlauf erschoss Degowski einen 15-jährigen Italiener, der seinen Verletzungen erlag, da keine Sanitäter vor Ort waren. Degowski und Rösner fuhren mit dem Bus und den verbleibenden Geiseln in die Niederlande. Bei der Verfolgung starb ein Polizist bei einem Unfall des Polizeiautos.

Am 18. August erreichte der Bus die Niederlande. Auf Druck der niederländischen Polizei kamen am Morgen zwei Frauen und drei Kinder frei. Nach weiteren Verhandlungen wechselten die Geiselnehmer in einem BMW, zusammen mit zwei weiblichen Geiseln und Rösners Freundin. Sie kehrten nach Deutschland zurück und fuhren zunächst nach Wuppertal und dann nach Köln. Hier hielten sie in der Innenstadt an und gaben mehrere Interviews, umringt von sensationsgierigen Kölnern. Ein Journalist des Kölner Express stieg in den BMW und lotste die Kriminellen zur Autobahn. Der Reporter verließ das Fahrzeug und der BMW setzte seine Fahrt in Richtung Frankfurt am Main fort. Auf einem Seitenstreifen wurde er von einem Einsatzfahrzeug gerammt und fahruntüchtig gemacht. Daraufhin kam es zu einem Schusswechsel mit der Polizei. Eine Geisel wurde dabei durch einen Schuss aus Rösners Waffe getötet.

Nach dem Gladbecker Geiseldrama gab es eine öffentliche Diskussion über die Professionalität und Zusammenarbeit bei der Polizei und die moralische Verantwortung der Journalisten. Die Folge waren Rücktritte auf Seiten der Polizeiverantwortlichen und ein erweiterter Pressekodex, der künftig Interviews mit Kriminellen unterbinden sollte.