Das Missmanagement der Hypo Real Estate 2008

Jetzt hat die US-Finanzkrise endgültig auch Deutschland erreicht. Die Hypo Real Estate, die durch ihre Staatsfinanzierungstochter Depfa in die Krise geraten war, muss sich nach einer anderen Refinanzierungsalternative umsehen. Der vor knapp einer Woche beschlossene Hilfsplan, der neben einem kurzfristigen Kredit von 15 Milliarden Euro und einen Bürgschaftsrahmen von bis zu 35 Milliarden Euro vorgesehen hatte, ist am heutigen Samstagabend gescheitert. Einige Banken, die dem Rettungsplan zugesagt hatten, haben ihre Zusage zurückgezogen, nachdem bekannt wurde, dass die Hypo Real Estate höchstwahrscheinlich deutlich mehr Kapital benötigen würde. Nach Schätzungen der Deutschen Bank benötigt die Hypo Real Estate bis zum Ende des Jahres 2009 70 bis 100 Milliarden Euro. Die jetzt ausgestiegenen Banken haben vermutlich Angst davor, dass sich die Hypo Real Estate zu einem Fass ohne Boden entwickelt.

Der Sprecher der Hypo Real Estate, Hans Obermeier sagte, dass sich die Bank in einer schwierigen Situation befinde und derzeit um ihre Existenz bange. Er gehe davon aus, dass sich alle Beteiligten des Ernstes der Situation komplett bewusst seien. Für eine Rettung würden die Großaktionäre allerdings bereitstehen. Zu weiteren Maßnahmen wollte er sich nicht weiter äußern.

Die Krise um die Hypo Real Estate wurde durch das Tochterunternehmen Depfa verursacht. Die Depfa ist ein ehemaliges deutsches Unternehmen und als Steuerflüchtling nach Irland gegangen. Jetzt soll sie mit Steuergeldern gerettet werden.

Banken benötigen während der Abwicklung des Tagesgeschäftes große Mengen an kurzfristigen Geldern. Diese leihen sie sich normalerweise von anderen Banken, meist sogar nur für einen Tag. Die Depfa sicherte so gut wie alle Kredite mit diesen Mitteln ab. Normalerweise funktioniert dieses System auch problemlos, es sei denn, es kommt zu so einer Krise. Im Moment vertrauen sich die Banken untereinander nicht, weil niemand weiß, welche Bank wie viele Anteile an den faulen Krediten aus dem kollabierten US-Markt in der Bilanz stehen hat. Deswegen konnte die Depfa einen hohen Betrag plötzlich nicht mehr decken und so kam es zu einem Liquiditätsengpass, der bis heute noch nicht behoben werden konnte.

Der Finanzsektor hofft jetzt auf eine stärkere Beteiligung des deutschen Staates. Berichten zufolge wurde bereits bei Bekanntwerden der Krise eine Verstaatlichung der Hypo Real Estate angestrebt. Ob es tatsächlich dazu kommen wird, steht aber bis jetzt noch in den Sternen. Es ist allerdings relativ unwahrscheinlich, dass sich der Staat noch weiter in die Rolle drängen lässt, denn immerhin zahlt der Steuerzahler die Zeche.

Heute (05.10.2008), kurz vor Mitternacht, gab die Bafin bekannt, dass man sich über ein neues Rettungspaket geeinigt hat. Ein zusätzlicher Kredit von lausigen 15 Milliarden Euro soll das Unternehmen stabilisieren. Man darf gespannt sein, wie lange der Kredit hält.

Nach massiven Druck der Öffentlichkeit und der Politik ist der Vorstandsvorsitzende des Immobilienfinanzierers Hypo Real Estate (HRE), Georg Funke, jetzt endlich zurückgetreten.

Fremdzitat: Ich tue das, weil ich ein absolut reines Gewissen habe.

Der Aufsichtsratschef Kurt Viermetz sieht keinen Anlass für einen Rücktritt. Da fällt einem nichts mehr zu ein... Am 10.08.2008 ist er dann doch zurückgetreten.

Ende Oktober 2008 begibt sich die Hypo Real Estate nun unter den Rettungsschirm der Regierung. Alle vorangegangenen Rettungsgelder waren immer noch nicht genug. Durchblick = Fehlanzeige. Man bekommt Garantien über 15 Milliarden €.