Das Missmanagement der West LB

Die Finanzkrise, die Mitte 2007 als Hypotheken-Krise in den USA begann, hat ein Jahr später die Finanzmärkte der ganzen Welt erfasst und derart durcheinander gewirbelt, dass 'nichts mehr so sein wird, wie es war', wie es der deutsche Finanzminister Steinbrück formulierte. Ausgelöst wurde sie durch schlecht oder gar nicht besicherte Immobilienkredite amerikanischer Investmentbanken. An diesem höchst spekulativen Geschäft beteiligten sich auch deutsche Geldhäuser, die die Auswirkungen bald zu spüren bekamen, als die Rückzahlung dieser Kredite ins Stocken geriet. Betroffen war unter anderen auch die West LB.

Die West LB ging im Jahre 1969 aus einer Fusion der Düsseldorfer Rheinischen Girozentrale und Provinzialbank und der in Münster ansässigen Landesbank für Westfalen Girozentrale hervor. Bereits in der ersten Hälfte der siebziger Jahre eröffnete die Bank Niederlassungen in Luxemburg, London und New York. Durch die Übernahme der Londoner Investmentbank Panmure Gordon Co Ltd. im Jahre 1996 entstand die West LB Panmure, die im Investmentbanking-Geschäft Fuß zu fassen versuchte. Nach riskanten Geschäften und einem Verlust von nahezu einer halben Milliarde Euro wurde die West LB Panmure an eine New Yorker Investmentbank verkauft und die Geschäftsfelder neu ausgerichtet. Das Ergebnis war die Aufspaltung der West LB in die NRW.BANK und die West LB AG im Jahre 2002. Die Anteilseigner der WestLB AG sind die NRW.BANK, der Rheinische Sparkassen- und Giroverband, der Westfälisch-Lippische Sparkassen- und Giroverband, das Land Nordrhein-Westfalen sowie die Landschaftsverbände Rheinland und Westfalen-Lippe. Hauptanteilseigner ist mit knapp 32 % die NRW.BANK, die ihrerseits wiederum zu fast 65 % dem Land Nordrhein-Westfalen gehört.

In den Sog der aktuellen Krise der Finanzmärkte geriet die West LB bereits 2007. Sie musste im Januar 2008 für das Jahr 2007 einen Verlust von einer Milliarde Euro bekanntgeben sowie den Verlust von einer weiteren Milliarde, den sie als 'nicht dauerhafte Wertminderung' bezeichnete. Um den Zusammenbruch der Bank zu verhindern, haben die Anteilseigner sowie das Land Nordrhein-Westfalen im Februar 2008 zugesagt, mit insgesamt fünf Milliarden Euro für die Bank zu bürgen. Das Konzept der Sanierung sieht einen Stellenabbau von mindestens 1350 Stellen bis zum Jahre 2010 vor, eine Beschränkung auf die Kernkompetenzen sowie die vage Hoffnung, einen neuen Eigentümer zu finden.

Die zuständige EU-Kommission hält den bei ihr Anfang August eingereichten Sanierungsplan bei weitem nicht für ausreichend. Sie billigt zwar zur Beihilfe der Rettung die Garantien öffentlicher Gelder, drängt aber auf einen Eigentümerwechsel und fordert die Eigner auf, der Bank die Möglichkeit zum Einstieg ins Privatkundengeschäft zu geben. Darüber hinaus müsse die Bank ihr internationales Engagement reduzieren. Diese Maßnahmen setzt die EU-Kommission voraus, um die bisher an die Bank gezahlten, öffentlichen Beihilfen zu genehmigen. Andernfalls müsse die Bank die seit 2002 erhaltenen Subventionen an den Staat zurückzahlen. Und das sind, laut EU-Wettbewerbskommissarin Neelie Kroes, fast zwölf Milliarden Euro.