Die Chronik der Finanzkrise 2007 - 2008 - 2009

Massenentlassungen, statt Kurzarbeit, Porsche vor der Pleite???, Mai 2009:

  • Die üblichen Mai-Krawallen sind so brutal, wie seit Jahren nicht mehr. Allein in Berlin gibt es über 40 Haftbefehle, u.a. wegen Mordversuch an Polizisten; Fast 300 Polizisten wurden verletzt, auch viele unbeteiligte Passanten. Die öffentliche Ruhe gerät immer mehr ins wanken.
  • Stresstest für amerikanische Banken, 10 der 19 großen US-Banken brauchen insgesamt 74,6 Milliarden $ zum Überleben. Alleine die Bank of America braucht über 30 Milliarden $. Ernst nehmen sollte man den Test aber nicht, schliesslich wird die Öffentlichkeit nicht wirklich ehrlich über Probleme informiert.
  • LBBW Bankchef Siegfried Jaschinski darf gehen, sein Vertrag wird nicht mehr verlängert. Eine Vertragsverlängerung würde zu unkalkulierbaren Risiken für die Bank werden; Zitat Ministerpräsident Günther Oettinger! Eine klare und deutliche Beurteilung eines Managers.
  • Zur Abwechselung mal wieder eine deutsche Pleite im deutschen Automobil Gewerbe. Der Autovermieter Budget Deutschland ist insolvent, zu wenige Geschäftsreisende und die, verleugnete, Kreditklemme besiegelten das Aus.
  • Die Hypo Real Estate gehört jetzt zu 47,3% dem Staat. Die staatliche Offerte an die Aktionäre führte nicht zur, gewünschten, kompletten Verstaatlichung, 1,39 Euro pro Aktie wurde jedem Aktionär geboten. Dennoch könnte das reichen, man kann auf der Hauptversammlung im Juni eine Kapitalerhöhung unter Ausschluss der Altaktionäre beschliessen, dazu braucht man nur 50% der anwesenden Stimmrechte. Altaktionäre werden dadurch unter 10 % gedrückt und dann mittels Squeeze-out aus dem Unternehmen ausgeschlossen.
  • Die EZB, Europäische Zentralbank, senkt den Leitzins auf den niedrigsten Stand der Geschichte. Lausige 1% bekommen ehrliche Sparer, Menschen, die Geld benötigen zahlen deutlich mehr. Hier verdienen sich die Banken wieder dumm und dähmlich. Und wieder wird deutlich wer der dumme ist, dem die Politiker eine reinpolieren.
  • Die BOF, Bank of England druckt immer mehr Geld. Wie die US-Amerikaner, so versucht die Bank of England die Krise mit immer mehr, neu gedrucktem, Geld zu bekämpfen. Mit dem neuen Geld sollen Anleihen gekauft werden. Der Staat bringt Anleihen raus und die staatliche Notenbank kauft diese Papiere. Das ist das selbe, als wenn man sich selber immer mehr Geld leiht, nur das man keine Presse hat.
  • Im Februar demonstrierten sie, völlig naiv, für ihre Chefin, heute werden sie, als Dank dafür, gefeuert. Beim Autozulieferer Schaeffler werden Tausende Arbeitnehmer entlassen. Der Arbeitnehmer hat keinen Wert mehr für das Unternehmen.
  • Der Stahlkonzern Arcelor Mittal hat in Luxemburg seine Hauptversammlung. Aufgebrachte Arbeiter stürmen die Arcelor Mittal Zentrale, ihre Argumente sind Pflastersteinen, Metallzäune und Rauchbomben. Es herrscht die blanke Angst vor Stellenstreichungen und Kurzarbeit, über 9000 Stellen stehen vor dem Aus.
  • Der US-Immobilienfinanzierer Fannie Mae macht im ersten Quartal 23,2 Milliarden $ Verlust, immer noch oder immer wieder aufs neue. Man fordert 19 Milliarden $ weitere Staatshilfen, ansonsten würde das ganze System zusammenbrechen.
  • Der ThyssenKrupp Schock: Vor kurzen versprach man noch einen Gewinn, nun wird es ein Verlust von 362 Millionen Euro. Bezahlen muss der einfache Arbeitnehmer, Tausende Mitarbeiter stehen vor dem Rauswurf. Unruhen machen sich breit, 15.000 ThyssenKrupp-Mitarbeiter gehen auf die Strasse und demonstrieren; noch friedlich.
  • Die Ratten verlassen das sinkende Schiff. Bei General Motors verkaufen nun die Flop-Manager ihre letzten Aktien, bei einer Insolvenz wären diese wertlos. Gleichzeitig versucht man aber GM-Gläubiger als Aktionäre zu gewinnen. Noch Fragen???
  • Porsche Pleite? Aktueller Stand des Volkswagen (VW) und Porsche Krimis. Porsche ist hochverschuldet, die feindliche Übernahme des Volkswagen Konzern ist kläglich gescheitert. Und, na logisch, Porsche hat seinen Übernahmeversuch mit Schulden finanziert. Porsche Chef Wendelin Wiedeking steht vor dem Nichts, Volkswagen Aufsichtsratschef Ferdinand Piëch steht wohl als Gewinner dar. Porsche hat 10 Milliarden Euro Schulden und wird bald im Volkswagen Konzern aufgehen. Letztes Jahr hat Porsche noch Rekordgewinne gefeiert, mehr Gewinn als Umsatz, alles mit Aktienoptionen auf VW Aktien. Dem entsprechenden Buchungsgewinnen folgend, sind auch die Managergehälter mehr als üppig ausgefallen. Nun stehen diese Optionen vor dem Ablauf und es ist kein Geld da um sie einzulösen. Aus Buchungsgewinnen werden echte Verluste, aber die Managergehälter werden nicht zurückgezahlt. So einfach funktioniert das mit den Managern und ihren Gehältern. Einem führenden baden-württembergischen Landespolitiker zufolge hat die Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) Porsche mit einem Milliardenbetrag ausgeholfen, ohne diesen Kredit wäre Porsche zahlungsunfähig. Es gibt ja doch noch Kreditgeber...wenigstens einer. Laut Betriebsratschef Hück hat Porsche knapp 40 Milliarden Euro Vermögen, nur wenn das Vermögen nicht aus Bargeld besteht und man Schulden zurück zahlen muss, ja dann steht man halt vor der Zahlungsunfähigkeit. Banken haben auch jede Menge Vermögen; z.B. amerikanische Hypothekenbriefe.........
  • Der, zweite, US-Immobilienfinanzierer Freddie Mac hat im ersten Quartal des Jahres weitere 10 Milliarden $ Verlust gemacht, noch immer fallen viele Hypothekenkredite aus. Nun fordert das Unternehmen weitere 6,1 Milliarden $ Staatshilfe für das Versagen des Managments.
  • Die Bundesregierung beschliesst ein Modell für die Bad Bank.
    Ihr Deppen, was wir brauchen ist eine Good Bank.
    In diese Bank sollen wertlose Papiere ausgelagert werden und Banken können dann wieder positive Bilianzen vorweisen. Für die Bad Bank bürgt, na logisch, der Staat, also der Steuerzahler. Wenn ihr euch fragt: Wofür das Ganze??? Halloooo, dies ist für die Managergehälter wichtig. Der Gesetzentwurf aus Peer Steinbrücks Finanzministerium muss nur noch durchs Parlament, dann können die Managergehälter auch wieder steigen. Bad Banken gründen Bad Banken, pervers!
  • Weitere Details zum Schaeffler Desaster. Über 4500 Mitarbeiter in Deutschland müssen um ihre Existenz zittern, zusätzlich soll die Kurzarbeit weiter ausgebaut werden. Das Unternehmen ist mit 12 Milliarden Euro verschuldet und will auch Milliarden Staatshilfen in Anspruch nehmen. Die feindliche Übernahme des Reifenhersteller Continental, natürlich mit Schulden finanziert und die Wirtschaftskrise haben das Unternehmen schwer angeschlagen, die Kreditklemme könnte das Aus für das Unternehmen bedeuten. Oooops, liebe Banken, es gibt ja offiziell keine Kreditklemme. Tausende Schaeffler-Mitarbeiter gehen wieder auf die Strasse und demonstrieren, diesmal gegen die Firma.
  • Kleine Randnotiz grosses Problem. In Spanien beträgt die Arbeitslosenrate im März über 17%. Das erinnert immer mehr an die grosse Depression in den 1930er Jahren.
  • Arcandor, Eigner von z.B. Karstadt, Quelle, Primondo oder Thomas Cook, steht, nicht zum ersten mal, vor der Pleite. Logischerweise will auch Arcandor nun Staatshilfen, demnächt kommt auch noch der Verein deutscher Kloputzer und will Staatshilfen und Steuergelder. Arcandor braucht 650 Millionen Euro Staatsbürgschaften um einen Kredit, der in 4 Wochen fällig wird, zu verlängern. In den kommenden fünf Jahre braucht man weitere 900 Millionen Euro, Zusätzlich will man auch noch einen neuen Kredit über 500 Millionen Euro auf Staatskosten. Na, super, enteignen wir doch alle Bürger und geben das Geld unseren Super Flop Managern, die können dann ihre Boni hochschrauben. Hellmut Patzelt, der Vorsitzende des Gesamtbetriebsrates von Karstadt dazu: 'Der Staat hat eine Riesenverantwortung gegenüber unserem Unternehmen. Arcandor hat ja noch mehr Mitarbeiter als Opel. Und Opel wird seit Wochen mit staatlicher Unterstützung in Verbindung gebracht'. Der nette Herr vergisst, natürlich unabsichtlich, dass Opel profitabel ist und Arcandor schon seit Jahren mit dem Pleitegeier kämpft. Diese Bürgschaft wäre extrem riskant.
  • Neben Arcandor wollen immer mehr Unternehmen ihre Tätigkeiten und Managergehälter mit Staatshilfen finanzieren. Heidelberger Druckmaschinen wollen einen Kredit und eine Bürgschaft aufgebaut auf Steuergeldern, BMW prüft ebenfalls die Anzapfung unserer Steuergelder, der US Amerikanische Autobauer Ford prüft Bürgschaften für seine Ford Credit und auch Porsche prüft die Bedingungen für eine Kreditvergabe.
    Heiliges Blechle, Politiker und Banker behaupten noch immer wir hätten keine Kreditklemme! Immer mehr Banken werden durch Rating-Agenturen immer weiter runtergestuft; auf Grund dessen müssen die Banken immer mehr Eigenkapital aufbringen, um ihre Kreditwürdigkeit zu behalten. Folge dessen ist, dass die Banken ihr Geld horten und kaum noch Kredite vergeben. Ja, genau, die Ratten-Agenturen, die Amerikanische Schrottpapiere mit 'AAA' bewerteten.
  • WestLB-Chef Heinz Hilgert tritt zurück, er begründete seinen Schritt mit der mangelnden Unterstützung einiger der Eigentümer. Mein Gott, die Bank ist fast pleite und der wundert sich, dass er dabei kaum noch Unterstützung erhält. Vielleicht hätte er die Bonuszahlungen erhöhen sollen...
  • Hertie wird abgewickelt, nach 10 Monate Insolvenzverfahren wurde keine Einigung erziehlt. Nun stehen, in kurzer Zeit, 2600 Mitarbeiter auf der Strasse. Die, ebenfalls insolvente, britische Immobiliengruppe Dawnay Day, Haupteigner von Hertie, verlangte überhöhte Mieten für die Kaufhäuser; diese lagen teilweise 25% über dem Umsatz, vom Gewinn ganz zu schweigen.
  • Das staatliche Rettungspaket für die HSH Nordbank, vom Februar, 3 Milliarden frisches Kapital und 10 Milliarden an staatlichen Garantien, wurde von der EU-Kommission genehmigt. Man darf gespannt sein, wie lange das Geld reicht.
  • Die General-Motors-Finanztochter GMAC steht, mal wieder, vor dem Aus. Die US amerikanische Regierung muss 7,5 Milliarden $ nachschiessen.
  • Arcandor Chef Karl-Gerhard Eick setzt die deutsche Regierung, massiv, unter Druck. Man will deutsche Steuergelder und zwar sofort. Man droht damit, dass über 50.000 Arbeitnehmer auf der Strasse landen, wenn man keine Milliardenhilfen vom Staat bekommt. Man behauptet, dass die Finanzkrise an der Misere Schuld ist, vergisst wohl dabei, dass das Unternehmen schon öfters vor der Pleite stand. Karl-Gerhard Eick vergleicht die Insolvenz von Arcandor mit der Insolvenz von Lehman Brothers, unglaublich. Er droht dem Staat mit Folgeschäden von über 2 Milliarden Euro, das ist fast schon Erpressung des Staates. Arcandor hat auch profitable Werte, wie z.B. Thomas Cook oder die Premium-Häuser: KaDeWe in Berlin, Alsterhaus in Hamburg und Oberpollinger in München. Warum soll statt dessen der Steuerzahler zahlen?
  • Porsche hat, bekannterweise, massive Finanzprobleme, doch ihrem Chef Wendelin Wiedeking geht es blendend. Sein Gehalt von über 77 Millionen Euro ist nicht unschuldig daran. Erkläre doch mal einem Milchbauer oder Opel Mitarbeiter diese Diskrepanz.
  • Das Insolvenzverfahren für Märklin könnte sich lohnen, zur Zeit gibt es 7 Interessenten für das Unternehmen.
  • Krisensitzung im deutschen Bundestag, es geht um die Opel Rettung. Am Beginn der Verhandlung kam General Motors und die amerikanische Regierung mit neuen Forderungen: Man wolle 300 Millionen $ mehr an Kapital, sonst wird es keine Rettung geben. Die amerikanische Regierung erpresst die deutsche Regierung.
    Wer ist denn hier die Achse des Bösen?
  • Kurz nach der Erpressung der amerikanischen Regierung kam es dann doch zur Einigung. Es bleibt bei der Brückfinanzierung von 1,5 Milliarden Euro und der Zulieferer Magna wird Opel übernehmen. Ob das die beste Lösung ist bleibt abzuwarten, auf jeden Fall werden Tausende Arbeitsplätze vernichtet.
  • Societe Generale steht, mal wieder, vor der Pleite. Das Thema kommt immer wieder auf, Staatshilfen werden gegeben und reichen nicht aus. Die französische Großbank Societe Generale bekommt weitere 1,7 Milliarden Euro und gibt dafür, stimmrechtlose, Vorzugsaktien. Schliesslich soll der französische Staat nicht mitreden können, man will nur das Geld, das Geld der Steuerzahler.