Die IKB und die 'Heuschrecke' Lone Star 2008

Auch Sie können die Nachrichten dieser Tage bestimmt nicht mehr hören: Finanzkrise und kein Ende. Auch die IKB-Story ist ein "Produkt" der aktuellen Finanzkrise. Die staatliche Förderbank KfW, größter Einzelaktionär der IKB (45,5 %), hat ihre gesamten Anteile im September 2008 an den privaten Investor Lone Star verkauft. Der SPD-Politiker Franz Müntefering hatte Lone Star vor einigen Jahren noch als "Heuschrecke" tituliert. Und heute? Und so eine Heuschrecke hilft jetzt mit Millionen aus, um die IKB wieder flott zu machen. Sie denken jetzt vielleicht: Verkehrte Welt.

Wer ist die IKB?
Die 1924 in Berlin gegründete IKB Deutsche Industriebank AG versteht sich selbst als Bank für den Mittelstand: Zielgruppe der IKB ist der gehobene Mittelstand - Unternehmen mit einem Jahresumsatz von mindestens 10 Mio. € stehen in ihrem Fokus. Die Unternehmensstruktur ist mittelständisch geprägt, das heißt: Die IKB kann ohne Konzernbindung weitgehend unabhängig agieren.

Fehlspekulationen am US-Hypothekenmarkt bescherten der IKB jedoch Milliardenverluste. Nur durch diverse Rettungsmaßnahmen von KfW und Bund sowie verschiedenen Banken in Milliardenhöhe (ca. 10 Mrd. €) seit Juli 2007 war eine Abwendung der Pleite überhaupt noch möglich. Die IKB stand gleich mehrfach vor dem Bankrott. Die Zeche zahlt der Steuerzahler: Pro Kopf sind es offenbar ca. 125 €.

War der Kaufpreis o.k., konnte die KfW zufrieden sein?
Keine Frage: Der Kaufpreis liegt unter den ursprünglichen Vorstellungen der KfW. Hatte die KfW ihr Kaufpreisziel mit etwa 800 Mio. € definiert, so lag der tatsächlich erzielte Erlös am Ende im unteren dreistelligen Millionenbereich - ein Spottpreis. Jubel machte sich kaum breit - nicht nur bei der KfW. Denn: Schon kurz nach Unterzeichnung des Kaufvertrages schwebten Herabstufungen der Bonitätsnote über der IKB - allen voran durch die Ratingagentur Fitch. Dies kam jedoch nicht gänzlich unerwartet. Bereits bei den Verhandlungen war von einer solchen Entwicklung ausgegangen worden mit der Folge, dass Lone Star die Liquiditätsversorgung der IKB sicherstellt. Lone Star verfolgt ein ergeiziges Ziel: In nur zwei Jahren soll die IKB wieder schwarze Zahlen schreiben. Finanzexperten beurteilen die Chance für dessen Realisierung - zumindest in diesem engen Zeitrahmen - eher skeptisch.

Wie der Weg zur einer wieder "gesunden" IKB aussehen soll, ist noch nicht geklärt. Soviel steht aber fest: Maßgebende Grundlage der künftigen Entwicklung wird die voraussichtlich im Oktober 2008 vorliegende Entscheidung der EU-Kommission hinsichtlich des etwa 11 Mrd. € umfassenden Rettungspakets sein. Es wird mit Auflagen gerechnet in Bezug auf Größe und Tätigkeitsschwerpunkt der IKB. Sicher scheint indes zu sein: Auch unter Lone Star soll die Mittelstandsfinanzierung im Zentrum der IKB-Geschäftstätigkeit stehen. Was allerdings mit dem IKB-Personal (1.750 Beschäftigte) geschehen soll, ist noch ungeklärt.