Die Nokia Werksschliessung in Bochum 2008

Der finnische Handykonzern Nokia sorgte jüngst durch die angekündigte Schließung ihres Hauptwerkes in Deutschland für Aufsehen im Jahre 2008. Mehr als 5.000 Arbeitern des Bochumer Werkes droht damit das Aus. Vor allem die älteren Arbeitgeber stehen nun vor einer mehr als unsicheren beruflichen Zukunft. Viele sind Alleinverdiener und ernähren mit ihrer Arbeit für den finnischen Handykonzern ihre Familien.

Nokia bezog als Unternehmen jahrelang staatliche Subventionen des Bundeslandes Nordrhein-Westfalen und der Bundesrepublik Deutschland. Es liegt somit auf der Hand, dass sowohl die Werksarbeiter als auch die Mehrheit der Deutschen den Schritt Nokias nicht nachvollziehen kann. Gemessen an den jüngsten Konzernzahlen steht das Unternehmen finanziell sehr gut da. Umso unverständlicher wirkt die Werksschließung auf die Bevölkerung. Nokia werden 'Profitgeilheit' und 'blanker Egoismus' von vielen Teilen der Öffentlichkeit vorgeworfen.

Das Unternehmen begründet seinen Schritt aufgrund des harten Wettbewerbs im Zuge der Globalisierung. Man müsse neue Wege gehen und günstigere Produktionsstandorte suchen, um mit dem internationalen Markt mithalten zu können, heisst es aus Reihen der Unternehmensspitze.

Natürlich schlug dieses Ereignis Wellen bis hin zur Regierungsspitze. Die Kanzlerin der Bundesrepublik Deutschland, Angela Merkel, bezog stellvertretend für den gesamten Bundestages Stellung zu den Entwicklungen und sprach den betroffenen Werksarbeitern ihr Mitgefühl aus.

Der Zusammenhalt und die Solidarität verschiedener gesellschaftlicher Gruppen ist sicherlich einer der Auswirkungen der Werksschließung, die den Betroffenen und allen anderen Menschen in ähnlicher Situation Mut machen sollte. So umschlossen mehr als 5.000 friedliche Demonstranten das Werk des finnischen Handykonzerns. Darunter befanden sich sowohl Berufskollegen der Werksarbeiter als auch deren Familien und der Fanclub des VfL Bochum. Sie alle zeigten in diesen Tagen Gesicht und bezogen Position gegen das Vorgehen Nokias.

Die Schließung des Werkes hat jedoch noch etwas in aller Deutlichkeit gezeigt: die politische Führung Nordrhein-Westfalens muss aus ihrer Lethargie aufwachen und die Augen für neue, zukunftsträchtige Industrien und Technologien öffnen. Es wurde bereits in früheren Zeiten zu viel in den sterbenden Bergbau investiert, als dass man diesen Fehler nun bei einem anderen Industriezweig wiederholen sollte. Wirtschaft und Politik müssen laut Meinung vieler Experten nun verstärkt auf spezialisierte Produkte setzen als auf Massenfertigung. Die Zukunft der ehemaligen Mitarbeiter des Nokia Werkes ist ungewiss. Aus dieser Enttäuschung sollten die Verantwortlichen lernen und richtige Schlüsse ziehen.