Die Pleite des Siemens-BenQ Werkes 2006

Am 29. September 2006 meldete die nur ein Jahr zuvor vom taiwanesischen BenQ- Konzern übernommene Mobilfunksparte des Siemens- Konzerns Konkurs an. Vorausgegangen war der Verkauf der verlustreichen Handysparte von Siemens im Jahre 2005 zu einem nur symbolischen Preis an BenQ. Zumindest zu diesem Zeitpunkt konnten die Beschäftigten ihre Stellen sicher wähnen. Während des folgenden Jahres konnte die neu entstandene Marke BenQ-Siemens ihren Marktanteil nicht ausbauen und rangierte zuletzt bei 3 Prozent weltweit.

Angesichts dieser Situation entschloss sich BenQ zur Schließung des deutschen Standortes. Nurmehr die asiatischen Werke produzieren weiter. Die sonstigen Bereiche des auch in Brasilien und Polen aktiven BenQ- Konzerns, nämlich die Produktion von Flachbildschirmen und Laptops, waren und sind von den Entwicklungen nicht betroffen. BenQ, ein Konzern mit 8.000 Beschäftigten weltweit und einem Jahresumsatz von mehr als 10 Milliarden Dollar, hatte sich mit etwa 400 Millionen Euro an der Sanierung beteiligt, Siemens selbst hatte sich ebenfalls etwa in dieser Höhe engagiert.

Nach der Übernahme der Handy- Werke von Siemens wurde zwecks der Konsolidierung der Standort Ulm geschlossen, Aalborg wurde an Motorola verkauft. Als diese Maßnahmen nicht zum gewünschten Ergebnis führten, wurden die Zahlungen seitens BenQ eingestellt und das zu diesem Zeitpunkt 3.400 Mitarbeiter beschäftigende Unternehmen in den Konkurs geschickt. Zum 31.12.2006 wurde die Produktion eingestellt. Für die entlassenen Mitarbeiter wurden 12,8 Millionen Euro aus dem Europäischen Globalisierungsfonds für Umschulung und Wiedereingliederung zur Verfügung gestellt.

Diverse Investoren aus dem Kreise der Beteiligungsgesellschaften meldeten - möglichweise durch potenzielle Subventionen motiviertes - Interesse an der Konkursmasse an, verloren dieses jedoch wieder, so dass es für die verbliebenen Standorte Kamp-Lintfort und München keine Zukunft gibt. BenQ selbst musste in der Folge des Konkurses deutliche Absatzeinbußen seiner Produkte in Deutschland und Europa hinnehmen. Spekulationen zufolge könnte der Verkauf der Handysparte an BenQ ein Trick seitens Siemens gewesen sein, um die Werke nicht selbst schließen und entsprechende Abfindungen zahlen zu müssen.