Die Uwe Barschel Affaere 1987

Die Barschel Affäre steht im Zusammenhang mit den Landtagswahlen im Bundesland Schleswig-Holstein im Herbst 1987. In die Barschel Affäre verwickelt waren der damalige CDU-Ministerpräsident von Schleswig-Holstein, Uwe Barschel, der Springer-Journalist und Wahlkampfberater Reiner Pfeiffer sowie der SPD-Herausforderer für das Amt des Ministerpräsidenten, Björn Engholm. Nach fast 40 Jahren in der Regierungsverantwortung musste die CDU um ihren Wahlsieg fürchten und führte deshalb eine sehr erbitterte Auseinandersetzung mit der SPD. Im noch nie gekannten Ausmaß hat Reiner Pfeiffer verschiedene Maßnahmen eingesetzt, um den politischen Gegner zu diffamieren. Unter anderem wurde Engholms Privatleben ausspioniert, um schmutzige Details in der Öffentlichkeit zu lancieren. Engholm wurde anonym des Steuerbetrugs angezeigt und Pfeiffer fälschte Pressemitteilungen der Grünen, die damals mit der SPD koalieren wollten.

Das Hamburger Nachrichtenmagazin DER SPIEGEL veröffentlichte eine Woche vor den Landtagswahlen Informationen über die Bespitzelungsaktion und die anonyme Steueranzeige mit Pfeiffer als "Kronzeugen". In einer eidesstattlichen Versicherung hatte Pfeiffer zugegeben, dass er dies alles mit dem Wissen von Barschel getan hatte. Am Samstag vor der Wahl wurde ein weiterer Bericht über die Engholm-Bespitzelung im SPIEGEL bekannt. Die CDU bezichtigte damals den SPIEGEL, damit die Wahl beeinflussen zu wollen. Die Landtagswahl endete mit einem Patt. Die beiden Koalitionsseiten, CDU und FDP sowie die SPD und der SSW (Südschleswiger Wählerverband) hatten die gleiche Anzahl an Sitzen.

Fünf Tage nach der Landtagswahl nahm der Druck in der Öffentlichkeit zu und Barschel hielt eine Pressekonferenz ab, um die Vorwürfe als haltlos zu erklären. Neben einer eidesstattlichen Versicherung gab er den Bürgerinnen und Bürgern des Landes Schleswig-Holstein sowie der gesamten deutschen Öffentlichkeit sein Ehrenwort, dass er mit den Aktionen von Pfeiffer gegen Engholm nichts zu tun habe. Dieses "Ehrenwort" wurde durch die TV-Bilder sehr bekannt. In den folgenden Wochen veröffentlichte der SPIEGEL weitere Details der Bespitzelung und der Druck auf Barschel nahm zu. Am 2. Oktober 1987 trat er als Ministerpräsident zurück. Den Höhepunkt der Barschel Affäre bildete der Tod von Uwe Barschel am 2. Oktober 1987 in einem Hotelzimmer in Genf. Ein Stern-Reporter machte von Barschel, der tot in einer Badewanne lag ein Foto, das auf dem Stern-Titel veröffentlicht wurde. Die Umstände des Todes wurden nie geklärt. Möglich sind ein Suizid durch eine Medikamentenvergiftung, aber auch Fremdeinwirkung.

Ein Untersuchungsausschuss zur Barschel Affäre des Landtags in Schleswig-Holstein kam zu dem Schluss, dass Barschel von Pfeiffers Aktionen gegen Engholm gewusst habe und Barschel Personen in seiner Umgebung zu Falschaussagen genötigt habe, um ihn zu entlasten. Später, im Jahr 1993 kam auch heraus, dass die SPD bereits früher von der Bespitzlung gegen Engholm wusste, da Pfeiffer sie ihnen selbst offenbart hatte. Engholm gab 1993 die Falschaussage vor dem damaligen parlamentarischen Untersuchungsausschuss zu und trat zurück. Ein weiterer Untersuchungsausschuss hat 1995 erneut eine Haupttäterschaft von Barschel bei den damaligen Aktionen gegen Engholm bestätigt.